Technologische Umbrüche stellen Vermögensverwalter immer wieder vor denselben Zielkonflikt. Sie eröffnen langfristige Chancen, gehen aber regelmässig mit kurzfristigen Übertreibungen einher. Blasen können den Fortschritt beschleunigen, aber auch Vermögen vernichten. Ein Muster, das sich in der Wirtschaftsgeschichte ständig wiederholt – und dennoch nicht verlässlich zu prognostizieren ist. Vom Ausbau der KI-Infrastruktur werden mittelfristig auch Branchen profitieren, die dem Risiko von potenziell unrentablen Überinvestitionen weniger stark ausgesetzt sind. Vor diesem Hintergrund bleiben wir eher vorsichtig und gewichten den Technologieanteil in den Portfolios im Vergleich zum inzwischen recht konzentrierten Weltaktienmarkt tiefer und achten auf eine breitere Branchendiversifikation. Mit dem soliden Weltwirtschaftswachstum und der Aussicht auf weiter sinkende US-Leitzinsen bleiben Aktien unsere favorisierte Anlageklasse. Besondere Chancen sehen wir im aktuellen Umfeld im Bereich der Qualitätsaktien.
Qualitätsaktien: Aussergewöhnliche Underperformance im 2025
Der Indexanbieter MSCI, der den globalen Aktienindex MSCI World berechnet, kalkuliert auch sogenannte Faktorindizes. Diese werden nach Anlagestilen wie Value, Growth oder Momentum zusammengestellt. Der Quality-Index umfasst Unternehmen, die bei den folgenden drei Kennzahlen besonders gut abschneiden: hohe Eigenkapitalrentabilität, stabiles und konsistentes Gewinnwachstum sowie eine tiefe Verschuldung. Nur jedes fünfte Unternehmen aus dem Standardindex schafft diese Hürde.
Die obenstehende Grafik zeigt auf der linken Seite einen Vergleich zwischen dem Weltaktienmarkt und dem Qualitätsindex. Auf der rechten Seite ist die relative Entwicklung seit 1999 dargestellt. Dabei fällt auf, dass die Qualitätsaktien im langfristigen Vergleich besser abgeschnitten haben als der Gesamtmarkt. Weil sie vorteilhafte Eigenschaften wie eine solide Finanzierung und eine hohe Profitabilität aufweisen und sich in herausfordernden Zeiten besonders robust präsentieren, sind Qualitätsaktien normalerweise mit einer Bewertungsprämie versehen. In den vergangenen 15 Monaten fielen Qualitätsaktien allerdings durch eine ungewohnt deutliche relative Underperformance auf und hinkten dem Gesamtmarkt rund 10 Prozent hinterher. Im eher spekulativ geprägten Umfeld warfen höher verschuldete Unternehmen oder auch unprofitable Technologiefirmen wesentlich bessere Renditen ab. Qualitätsaktien standen zuletzt ganz offensichtlich nicht im Scheinwerferlicht und sind im historischen Vergleich mittlerweile so attraktiv bewertet wie schon lange nicht mehr. Die Grafik auf der rechten Seite zeigt auch, dass die besten Renditen oft nach ähnlichen, insgesamt seltenen Phasen der Underperformance zustande kamen. Sollte der Risikoappetit abnehmen und eine Rotation aus den grosskapitalisierten KI-Werten einsetzen, dürften Qualitätsaktien aus anderen Branchen zu den relativen Gewinnern gehören.
Weil in unserer Aktienselektion das Kriterium der Qualität eine wichtige Rolle spielt, enthält unsere Aktienauswahl zahlreiche Vertreter, die auch im Qualitätsindex enthalten sind. In der Schweiz gehören beispielsweise ABB, Givaudan, Sika oder auch Straumann dazu. In Europa sind es Unternehmen wie Unilever, Air Liquide, GSK oder Novo Nordisk. Einige haben sich in den letzten Monaten enttäuschend entwickelt und verfügen über Aufholpotenzial im kommenden Jahr.
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