An den Sirenen-
klängen vorbei

Meinung

Symptombekämpfung

Ende Juli stützten das japanische Finanzministerium und das US-Schatzamt gemeinsam den schwächelnden Yen. Washington intervenierte nicht selbstlos. Japan hätte als grösster ausländischer Gläubiger der USA bei einem Alleingang US-Staatsanleihen verkaufen müssen.

US-Finanzminister Bessent kündigte Mitte August ausserdem das Manöver «Treasury Twist» an. Der Staat kauft am langen Ende Anleihen zurück und refinanziert sich kurzfristig. Die langfristigen Renditen sanken zwar nach der Bekanntgabe, stiegen am Folgetag aber wieder.

Die Eingriffe häufen sich, weil der Anstieg der langfristigen Zinsen ungelegen kommt. Die Verschuldung der USA überschritt im August die Schwelle von vierzig Billionen US-Dollar. Die letzte Billion kam in wenigen Monaten hinzu. Die Zinslast steigt, nicht nur in den USA. In Japan kletterte die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen Anfang September auf drei Prozent, so hoch wie zuletzt 1996.

Die Eingriffe zielen auf Preise, nicht auf deren Ursache. Steigende Langfristzinsen und der Vertrauensverlust in eine Währung sind kein Marktversagen, sondern Signale. Kapital wird teurer und sorglose Fiskalpolitik entwertet die eigene Währung. Solche Preissignale lassen sich zwar glätten, aber nicht wegkaufen.

Martin Schenk

Vorsitzender der Geschäftsleitung

Zähringer Brief September 2026

An den Sirenen-
klängen vorbei

An der Börse brachte der Sommer zunächst mehr vom Gleichen. Die anhaltend starke Gewinndynamik bestätigte sich auch in den Halbjahresabschlüssen.