Die Zahl börsenkotierter Unternehmen ist seit Jahren rückläufig. Ein wesentlicher Grund dafür ist, dass private Kapitalquellen heute deutlich längere Finanzierungszyklen ermöglichen als früher. Der Gang an den Kapitalmarkt mit seinen Transparenzvorschriften wird dadurch unattraktiver.
Nach dem Rekordbörsengang von SpaceX stehen nun aber in der zweiten Jahreshälfte mit Anthropic und OpenAI gleich zwei weitere spektakuläre Publikumsöffnungen vor der Tür. SpaceX avancierte nach dem fulminanten Start zwischenzeitlich zum fünftgrössten Unternehmen weltweit – und war damit annähernd so viel wert wie der gesamte Schweizer Aktienmarkt.
Aus einer nüchternen finanzanalytischen Sicht ist diese Bewertung mit Blick auf die tiefroten Zahlen und den bescheidenen Umsatz kaum nachvollziehbar. Gleichzeitig widerspiegelt der Börsengang aber auch eine Stärke des amerikanischen Marktes: Risikoappetit ist vorhanden, auch visionäre Zukunftsideen lassen sich finanzieren. Dass gleich drei Schwergewichte innerhalb eines Jahres den Sprung an die Börse wagen, lässt dennoch aufhorchen – die KI-Euphorie könnte sich ihrem Höhepunkt nähern.
Sicher ist: Die Technologielastigkeit der Märkte nimmt weiter zu, die Konzentrationsrisiken verschärfen sich. Für Anlegerinnen und Anleger bleibt eine ausgewogene Branchendiversifikation zentral.
Martin Schenk
Vorsitzender der Geschäftsleitung
Wer sich im Frühling an den täglichen Nachrichten orientierte, hätte den Börsen wenig zugetraut. Der Krieg im Nahen Osten eskalierte und zog zahlreiche Golfstaaten in den Konflikt hinein.